"heute.horrorshow." von Maria Fiedler


Schocktherapie

Gesellschaftskritisches Theaterstück „Heute: Horrorshow“ erstmals an der KU aufgeführt



In der Schule durfte der Daniel Nagl sein Theaterstück „Heute: Horrorshow“ nicht aufführen. „Nicht jugendfrei“ urteilte damals der Direktor. Das Stück feierte trotzdem Premiere. Am vergangenen Sonntag brachte der Politikstudent Daniel Nagl seine ‚Clockwork orange‘ – Adaption im Studihaus der KU auf die Bühne. Die Zuschauer ließ er am Ende mit mehr als gemischten Gefühlen zurück.

Der Inhalt von „Heute: Horrorshow“ lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Gewalt trifft auf Philosophie. Angeführt von der zynischen Alex (Daniela Jacobs) verübt eine Jugendbande grausame Verbrechen in ihrer Nachbarschaft. Als die Mädchen mit Alex‘ gesellschaftskritischer Art nicht mehr einverstanden sind, verraten sie sie an die Polizei. Im Gefängnis wird Alex einer neuen Methode unterzogen, die sie zu einem guten Menschen machen soll. Ihr Körper reagiert von da an mit Übelkeit und Schmerzen auf jegliche Gewalt. Das Vorgehen bewegt den Gefängnispfarrer zu einer der grundlegenden Aussagen des Stücks: „Das Gute kommt von innen, man muss es selbst wählen. Wenn ein Mensch nicht mehr wählen kann, ist er kein Mensch mehr.“

Als resozialisiert entlässt man Alex aus dem Gefängnis. Doch draußen wird sie sowohl von der Polizei als auch von ihren ehemaligen Opfern brutal misshandelt. Sie flüchtet sich in das Haus eines Politikers, der sie als ein Opfer der neuen Methode darstellen will und sie schließlich in den Selbstmord treibt. Schon allein die auf der Bühne dargestellte Gewalt in Form von Tritten, Schlägen und Beleidigungen ließ so manchen Zuschauer zusammenzucken. Übertroffen wurde die Darstellung aber noch durch die auf Leinwand projizierten Filmszenen. Grausamste Foltermethoden flackerten immer wieder in das Theaterstück hinein - absurderweise von gefühlvoller Klaviermusik untermalt. „Das mit den Videoeinspielungen war einfach zu heftig. Da musste ich wegschauen“, gestand die Journalistik-Studentin Sabine Cygan in der Pause.

Das Stück war dennoch keine bloße Darstellung roher Gewalt, sondern riss immer wieder philosophische Fragestellungen an, die von den Figuren in intelligenten Monologen abgehandelt wurden. Im Mittelpunkt stand der Aspekt der Entscheidungsfreiheit im Handeln des Menschen. Auch die Rolle der Kirche in der Gesellschaft wurde thematisiert.

Dem Regisseur Daniel Nagl jedenfalls hatte es nicht an Kreativität gemangelt. Ein Zuschauer wurde unvermittelt auf die Bühne geholt und selbst die Hauptdarstellerin erschien zeitweise vergrößert auf der Leinwand. Ihre authentische Interpretation der Rolle der Alex verlieh dem Stück zusätzlich Charakter. Nach der Vorstellung brachte Zuschauerin Sarah Eichacker ihren Gesamteindruck auf den Punkt: „Schön war es nicht. Aber beeindruckend. Und so schnell wieder vergessen werde ich das Stück auch nicht.“

Maria Fiedler

7.8.10 16:11

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